Naturgenuss im Niedermoor „Dattenhauser Ried“

Zunächst ein paar Informationen zum Dattenhauser Ried im Allgemeinen

Das Dattenhauser Ried ist mit rund 250 Hektar Fläche das größte Moor- und Feuchtgebiet der Schwäbischen Alb. Es entstand vor ca. 4000 – 6000 Jahren in einer natürlichen Senke südwestlich von Dattenhausen.

Karpfenzucht Im Dattenhauser Ried

Im Mittelalter wurden weite Teile des Rieds künstlich überflutet und wohl als Weiher für die Karpfenzucht genutzt. Später folgte dann die systematische Trockenlegung und die eroberten, sehr fruchtbaren Flächen wurden landwirtschaftlich genutzt. Es ist nicht lange her, dass unter der Federführung des Freistaats Bayern die Renaturierungsmaßnahmen im Dattenhauser Ried begonnen haben.

Es gibt viel zu sehen

Langsam aber sicher gewinnt die Natur ihre verloren gelaubte Flora und Fauna zurück und wird mehr und mehr zu einem wichtigen Lebensraum, vor allem für viele Vogelarten, aber auch für unzählige weitere seltene Pflanzen und Tiere.

Ein paar Verhaltensregeln

Auch wenn nicht ausdrücklich verboten, sollte man vermeiden, das Dattenhauser Ried mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren. Freilich müssen Landwirte, Forstbeauftragte und einige weitere „Befugte“ das Areal regelmäßig befahren, aber darüber hinaus sollte das Landschaftsschutzgebiet so gut es geht geschont werden. Übermäßiger Lärm, freilaufende Hunde und Querfeldeinspaziergänge sollten ebenfalls kein Thema sein, denn das Ried ist ein sehr empfindliches Ökosystem.

Nun aber los …

Ins Dattenhauser Ried gelangt man von einigen Ausgangspunkten. Der Blick auf eine Übersichtskarte vorab kann daher sehr hilfreich sein. Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, das Ried ist mit einigen guten Schotterwegen für jedermann begeh- und befahrbar. Teilweise führen auch etwas weniger gut ausgebaute „Feldwege“ zu interessanten Fleckchen, diese gilt es dann selbst zu erkunden.

Startpunkt Oberbechingen

Wir starten am Ortsrand von Oberbechingen. An der Kirche fahren wir zunächst auf der Pfaffenstraße, dann auf geteertem Feldweg Richtung Osten und parken ggf. dort unser Auto. Das erste Highlight erreichen wir bereits nach wenigen Hundert Metern.

Das Highlight – Der Beobachtungsturm

Der große Beobachtungsturm steht auf einer Anhöhe inmitten einer gepflegten Streuobstwiese. Von hier haben wir einen herrlichen Blick über den südwestlichen Teil des Niedermoores. Wer ein Fernglas dabei hat, darf sich glücklich schätzen, denn es eröffnet natürlich ganz andere Sichtweisen wie das bloße Auge. Ein fest installiertes Fernrohr wie an einigen anderen Beobachtungstürmen gibt es (bislang) nicht. Vier Infotafeln am Fuße der Plattform geben weiteren Aufschluss über die Entstehungsgeschichte und den Nutzen dieser tollen Landschaft. Und ja, es lohnt sich, da oben zur Dämmerung gemütlich ein Bierchen im Einklang mit den Reizen dieses Stückchens Natur zu genießen 😉

Nach ausgiebigen Beobachtungen gehen wir über die Wiese nach unten. Dort gehen wir auf dem Schotterweg weiter ins Ried. Vorbei an Rinderweiden, wundervollen Blumenwiesen, quakenden Tümpeln, Schilfflächen und duftenden, frisch gemähten Wiesen lohnt es sich immer, für einen Rundumblick kurz stehen zu bleiben.

Zugegeben, rein für einen Spaziergang, ohne ein Auge für diese besondere Natur zu haben, ist das Ried nicht besonders reizvoll. Daher soll man sich von der einzigartigen Landschaft mit ihren Tieren wie Bekassinen, Wasserrallen, Teichhühner, Laubfröschen, Unken und Kröten verzaubern lassen. Auch viele Zugvögel nutzen das Dattenhauser Ried im Frühjahr und Herbst als Rastplatz und es gibt einiges zu beobachten. Was die Flora angeht, steht diese keineswegs im Schatten der vielfältigen Tierwelt. Allerhand Gräser, Binsen, Moose und Blumen gilt es zu bestimmen, mit ein bisschen Glück zur rechten Jahreszeit kann man auch seltene Orchideen finden.

Die landwirtschaftliche Nutzung ist mit Rinderherden, Schafen und Ziegen verbunden, die saftigen Wiesen liefern erstklassiges Heu und auf vereinzelten Äckern wächst kraftvolles Getreide.
Besonders in der Dämmerung entdecken wir einige Feldhasen und Rehe, gelegentlich kreuzt ein Fuchs unsere Wege. Vögel aller Art wie Bussard und Rotmilan, Storch und Reiher, aber auch Bienenfresser oder Drosseln sind nur einige der vorhandenen gefiederten Freunde.

Ach ja …

Nicht vergessen darf ich freilich ab und an auftretende Shiba Inus, die an Frauchens und Herrchens Seite nicht minder begeistert sind :-). Je nach eingeschlagenem Laufweg erreichen wir nach etwa drei Kilometern die östliche Grenze des Dattenhauser Rieds. Diese wird durch die Verbindungsstraße zwischen Wittislingen und Dattenhausen markiert.

Abstecher zur Wegkapelle der Denzel-Stiftung

Auf jeden Fall lohnenswert ist ein kurzer Abstecher zur 2016 errichteten Wegkapelle „Frank Lattke“ der Denzel-Stiftung. Einer von sieben Kapellen inmitten reizvoller Landschaften im nordschwäbischen Raum. Von weitem sichtbar steht dieses schmucke Bauwerk oberhalb im Süden des Rieds.

Aber nun zurück zu dem Ort, wo wir uns gerade befinden. Ein paarhundert Meter in Richtung Dattenhausen auf der Verbindungsstraße führt uns diese zu einem netten Rastplätzchen, ich nenne es gerne „Riedaussicht“ am Rande des Rieds. Tisch und Bank laden zum Verweilen oder gerne auch zu einer kleinen Vesper ein – sofern man denn eine im Gepäck hat 😉

Ob nun auf demselben oder einem anderen Weg geht es dann zurück zum Startpunkt. Freilich empfehle ich, einen anderen Weg zu wählen, die Möglichkeiten sind vielfältig. Eine Karte oder Kartenapp ist sehr nützlich.

Hier noch einige visuelle Eindrücke

Tipps:

Es gibt weit und breit keine Einkehrmöglichkeit. Daher empfehle ich dringend, etwas zu Trinken mitzunehmen, das gilt auch für evtl. begleitende Vierbeiner, denn das reichlich vorhanden Moorwasser ist nicht „Jederhund’s“ Sache. Am Besten eignet sich ein Rucksack, in dem dann auch Fernglas und die Brotzeit verstaut werden kann. Mitunter hilft Autan oder ähnliches gegen die vielen Stechmücken, die spätestens in der Dämmerung auf Jagd gehen. Auch vor Zecken sollte man sich schützen oder zumindest nach dem Ausflug untersuchen. Gutes bzw. zweckmäßiges Schuhwerk ist wie immer anzuraten, insbesondere für diejenigen, die gerne mal den Weg verlassen.

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